Der Arzt, der die Black Wings auf den Kufen hält

LINZ/PUCHENAU. Werner Kleschpis über die Krankheitsserie der Linzer und so manche "Wehwehchen" die gewürdigt werden müssen

Manche Fans der Linzer Black Wings sprechen bereits von einer Seuche, an der die Spieler des regierenden Eishockey-Meisters in dieser Saison leiden. Philipp Lukas, Andy Hedlund, Pat Leahy, Daniel Oberkofler, Gregor Baumgartner, Daniel Mittendorfer, Michael Mayr und noch einige mehr – sie alle wurden in jüngster Zeit vom Grippevirus oder von Verletzungen eingebremst. Dafür, dass das Projekt „Titelverteidigung“ dennoch nicht ins Stocken gerät, ist auch Werner Kleschpis (52) verantwortlich.

Der Oberarzt an der Unfall-Chirurgie am AKH Linz ist seit 1999 Teamarzt der Black Wings. Zuvor betreute der ehemalige Handballer – er spielte bei Post SV Graz in der Staatsliga – ab 1989 in der „goldenen Ära“ Handball-Bundesligist HC Linde Linz, war Teamarzt des LASK und von Voest Linz, und kümmert sich aktuell auch um fünf weitere Fußballvereine, vom SV Wallern über den ASK St. Valentin bis hin zu den Puchenauer Kickern, wo sein Sohn im Nachwuchs spielt.

OÖNachrichten: Was ist los mit den Black Wings? Diese Serie an Krankheiten ist schon unheimlich. Passen Sie auf die Spieler zu wenig auf?

Werner Kleschpis: Es waren auch im Vorjahr in unserer Meistersaison immer wieder Spieler krank oder verletzt. Aber da ist von Anfang an alles viel leichter gelaufen. Und im Finale waren dann alle fit. Aktuell sind fünf bis sieben Spieler durch diverse Krankheiten deutlich geschwächt, das kostet natürlich viel Substanz. Wir haben uns auch schon Gedanken gemacht, warum das so ist. Mit ein Grund ist, dass mittlerweile sehr viele Spieler Kinder haben, alle sehr dicht gedrängt beisammen wohnen und auch die Familien immer gemeinsam unterwegs sind. Viren übertragen sich da sehr viel leichter.

Einige der Cracks sind auffällig häufig verletzt.

Es gibt jede Saison zwei, drei Spieler, die gar nichts haben. Und dann gibt es immer auch einen Pechvogel. Heuer ist der Baumi (Anm.: Flügel Gregor Baumgartner) besonders arg betroffen, der hat in dieser Saison schon vier, fünf gröbere Sachen gehabt, vom Gesicht über Kreuz und Schulter bis zu den Füßen. Auch Pat Leahy hab ich schon mehrmals behandeln müssen. Es war aber auch im Vorjahr nicht einfach, da haben drei Spieler mit gebrochenem Knöchel gespielt.

Werner Kleschpis’ Handy klingelt, Verteidiger Robert Lukas ist am anderen Ende der Leitung. „Röntgen und Blutabnahme? Kein Problem, komm gleich vorbei“, sagt Kleschpis und wendet sich wieder mir zu: „Er ist seit drei Tagen fieberfrei. Wenn es passt, dann spielt er heute gegen den KAC wieder.“

Eishockey ist ein harter, manche sagen brutaler Sport, bei dem die Aktiven viel einstecken und aushalten müssen. Wo ist die Grenze, bei der der Teamarzt sagt: Bis hierher, aber nicht weiter!

Das ist dann, wenn es gesundheitsgefährdend wird. Speziell bei Gehirnerschütterungen muss man aufgrund der möglichen Langzeitschäden eine Grenze einziehen. KAC-Verteidiger Martin Schumnig etwa hat in dieser Saison bereits die vierte Gehirnerschütterung und spielt jetzt im Play-off dennoch gegen uns. Das würde es bei mir sicher nicht geben.

Als Chirurg ist man an einiges gewöhnt. Wo reihen sich da die Eishockey-Verletzungen ein?

Was auf dem Eis passiert, ist ein Klacks zu dem, was einem sonst unterkommt. Wenn ich dann die Verletzungen der Spieler nicht entsprechend würdige, schauen sie schon ein wenig. Aber es ist natürlich etwas anderes, wenn man etwa einen Querschnittpatienten versorgt oder amputieren muss. Allerdings nehme ich diese Schicksale als Arzt nicht mit nach Hause, das ginge nicht.

Wie sieht die Aufgabe des Teamarztes während eines Spiels aus?

In den Drittelpausen kann es zur Sache gehen, da bin ich als Notarzt im Einsatz. Es wird genäht, da greift man bei Beschwerden etwa den Fuß grob ab, um zu schauen, was es sein könnte. Und da werden Schmerzmittel gespritzt. Es ist für die Spieler psychologisch wichtig, dass wir – Florian Dannbauer und ich teilen uns seit zwei Jahren den Job – dabei sind. Wir versuchen auch zu blödeln, Spaß zu machen, den Spielern Druck zu nehmen.

Sie sind nicht nur bei den Black Wings im Einsatz, sondern auch bei anderen Vereinen. Und Sie haben einige Sport-Hobbys. Bleibt da noch Zeit für Ihre Familie?

Das ist alles nur eine Frage der Zeiteinteilung. Meine Mountainbike-Leidenschaft lebe ich zum Beispiel auf dem Heimweg von der Arbeit aus – 2011 war ich 203 Mal auf der Gis. Und meine Partnerin versteht das, die ist auch Ärztin.

Werner Kleschpis (52) ist in Linz geboren und lebt derzeit in Puchenau mit seiner Lebensgefährtin und den drei Söhnen. Seine Hobbys sind Golf, Biken, Fuß- und Handball.

Originalartikel bei OON
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